Erwachsenen ein weltweites Comeback. Und dies mit einer ungeahnten Durchschlagskraft. Die Erfolgsformel dazu lautet: BookTok und möglichst auffällig attraktive Cover. «Wir führen, nahe beim Eingang und augenfällig platziert, ein Regal mit den BookTok Bestsellern», erklärt Andrea Grichting, die seit gut sechs Jahren die Stadtbibliothek Burgdorf leitet. Das heisst konkret: Hier finden Jugendliche auf den ersten Blick jene Buchtitel, welche unter dem Hashtag «BookTok» auf TikTok vorgestellt wurden und am beliebtesten sind. Ganz offensichtlich zeigt dies breite Wirkung. Die oftmals sehr aufwendig und auffällig gestalteten Bücher mit bedrucktem Buchschnitt sind heiss begehrt und wecken die verschüttet geglaubte Leselust vieler junger Menschen. ORT DER BEGEGNUNG, BÜHNE UND WOHNZIMMER Die Gesamtzahl der Besucherinnen und Besucher der Stadtbibliothek wächst kontinuierlich stark an. «Wir verzeichnen einen jährlichen Zuwachs von rund 10‘000 Eintritten, das heisst von Menschen, welche die Stadtbibliothek aufsuchen», erklärt Andrea Grichting. Sie alle kommen auf die eine oder andere Weise mit Büchern, dem Lesen oder Anlässen rundherum in Berührung. Das Erfolgsmodell guter Bibliotheken hat sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt. Vom stillen Ort der möglichst prall gefüllten Bücherregale hin zum quirligen Schauplatz der Kultur, des Dialogs, der Bildung und des gemeinsamen Lesens. Und genau das belegen eben jene steigenden Besucherzahlen. Die Bibliothek bietet zwar – wie schon immer in ihrer bald dreihundertjährigen Geschichte – einen beeindruckenden Bücherbestand zur Ausleihe an, aber eben noch viel mehr: So finden beispielsweise regelmässige Leseveranstaltungen für die Kleinsten und ihre Eltern statt. Oder organisierte Treffen, zwischen Kindern und Erwachsenen mit dem Ziel, den Spass am Lesen spielerisch zu fördern. Zahlreiche Veranstaltungsreihen mit Vorträgen, fulminanter Sprachkunst bis hin zum Sprach-Café «Caffè italiano» ergänzen und bereichern die Stadtbibliothek als lebendigen Ort der Kultur. Eine der jüngsten Veranstaltungsreihen nennt sich «Philosophische Salons». Hier diskutieren interessierte Erwachsene in offener Runde und unter der Moderation des Philosophen Peter Wyss «grosse Fragen des Lebens» und erörtern wichtige philosophische Begriffe wie Tugend, Verzicht, Mut und Glück. Doch es sind nicht nur die organisierten Veranstaltungen und Treffen, die viel Leben in die Räume der Bibliothek bringen. Täglich buntes Treiben entsteht auch durch die vielen Menschen, die hier arbeiten, Hausaufgaben machen, Tages- und Fachzeitschriften lesen oder sich einfach zum Verweilen in der Cafeteria treffen. «Unsere Plätze, Sofas und Arbeitstische sind oft komplett belegt», sagt Andrea Grichting. Man habe zwar die Sitz- und Arbeitsplätze in der jüngeren Vergangenheit weiter aufgestockt, dennoch seien geeignete Plätze immer wieder knapp. So etwa für Schülerinnen und Schüler, die es sich auf den Sofas bequem machen, um gemeinsam ihre Hausaufgaben zu erledigen. Oder für die Studentinnen und Studenten, die sich wie im eigenen Wohnzimmer die Schuhe ausziehen, sich an den Arbeitstischen für einige Stunden einrichten und ab und zu in der Cafeteria einen Kaffee holen. «Für Veranstaltungen und eben auch für solche Heiss begehrt: Die BookTok Bestseller Ein Stück Wohnzimmer: Die gemütlichen Lesesofas
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc3MzQ=