Burger Journal 06 - Oktober 2021

Bei der Deutung von Familien­ namen unterscheidet man fol­ gende Typen: 1. Rufnamen : Benennung nach Vater-, seltener Mutter­ namen, z.B. Friedrich, Annen 2. Herkunftsnamen : Zugezo­ gene nach ihrer Herkunft, z.B. von Siebenthal, Basler 3. Wohnstättennamen : Einhei­ mische nach ihrem Wohnort, z.B. Imhof, Wegmann 4. Berufsnamen : nach Tätig­ keit, Amt, gesellschaftlicher Stellung, z.B. Bauer, Müller, Vogt 5. (Berufs-)Übernamen : nach körperlicher, charakterli­ cher, biographischer Eigen­ heit oder beruflicher Tätig­ keit, z.B. Schön, Hässig oder Hammer. Man kann Familiennamen in der Regel deuten und sie dem zugrunde liegenden Ruf- oder Ortsnamen (Typen 1 bis 3) oder Gattungswort (Typen 4 und 5) zuordnen. Verliehen worden ist der Name dem ersten Träger aufgrund eines besonderen Merkmals. Züricher Zürcher gibt es schweizweit zwar viele, auch und gerade im Kanton Bern, Züricher aber, dreisilbig und noch deutlicher auf Zürich verweisend, nur in Burgdorf. Züri- cher ist ein Herkunftsname auf -er (Typus 2), wobei offenbleiben muss, ob zur Stadt oder – und vielleicht eher – zur Land- schaft Zürich gebildet (die im Kanton Zü- rich altbeheimateten Zürcher können nur aus der Stadt stammen). Zürich selber ist wahrscheinlich eine keltische Gründung. Der Name wird meist als Bildung aus ei- nem Personennamen Tūros und der ad- jektivischen Silbe -īcon gedeutet: Tūrīcon, latinisiert Tūrīcum, ist «die Siedlung des Tūros». Bracher Bracher gehört in den Bereich der Drei- felderwirtschaft, einem auf Einzelhöfen und in Dörfern praktizierten Fruchtfolge- system. Die Ackerflur war dreigeteilt: Eine Zelge wurde mit Wintergetreide (Weizen), eine mit Sommerfrucht (Roggen) bebaut, die dritte lag brach und diente ein Jahr lang als Stoppelweide, bevor sie wieder gepflügt, d. h. umgebrochen (die Brāch, von brechen, wie Sprāch von sprechen) und mit neuer Winterfrucht bestellt wurde. Die Hofnamen Brach leiten sich davon ab – und dazu wiederum ist Bracher gebildet als Wohnstätten- oder Herkunftsname: «Wer auf dem Hof Brach wohnt oder von dort zugezogen ist». Bürki Burkhard, gebildet zu ahd. burg «befes- tigter Ort, Burg» und harti «hart, tapfer», war im Mittelalter ein beliebter Ruf- oder Taufname, der im alltäglichen Gebrauch in vielfältigster Weise zu Kurz- und Kose- formen abgeändert wurde, etwa zu Burk, Buck, Burgi, Buri – und eben auch zu Bürki. Und auch die Kurz- und Kose­ formen konnten selbst wiederum zu Familiennamen werden, ein gängiges Bildungsmuster (Typus 1). Hier wurde der Vollname Burkhard auf das erste Namen- element Burk reduziert und kosend mit der Verkleinerungssilbe -i erweitert; letz- terer verdankt die Stammsilbe ihre neue Qualität als -ü- (Umlaut). Haas Die Haas, 1822 von Gais AR zugezogen, leiten ihren Namen vom Hasen «wild­ lebendes, langohriges Nagetier» her. Sd. Has m., mhd. has(e) ist zum Namen ge- worden aufgrund dem Tier zugeschriebe- ner und auf den Menschen übertragener Eigenschaften (unser Typus 5). Dabei ist nicht nur an «furchtsam» zu denken; Namenmotiv könnten ebenso gut die Bedeutungen «schnellfüssig» oder «fein- hörig und scheu» gewesen sein. Oder steckt in Haas der Rufname Hans? Der ist nämlich im Appenzellischen auch als Has (mit langem ā) bezeugt, mit n-Ausfall vor -s und Dehnung von -a- (bei uns wäre -a- entsprechend eher zu -au-: Haus(i) geworden). Abkürzungen: sd. = schweizerdeutsch / germ. = germanisch / mhd. = mittelhochdeutsch / ahd. = althochdeutsch lat. = lateinisch / Bed. = Bedeutung / m.-f.-n. = maskulin - feminin - neutral / * = erschlossene, so nicht belegte Form Serie: Burgerliche Namen MIT EINER FORTLAUFENDEN SERIE ERLÄUTERN WIR DIE BEDEUTUNG DER NAMEN VON BURGERN IN DER CHRONOLOGISCHEN REIHENFOLGE IHRER AUFNAHME IN DIE BURGERGEMEINDE. IN DIESER AUSGABE WERDEN DIE NAMEN ZÜRICHER (1781), BÜRKI (1787), BRACHER (1810) UND HAAS (1822) GEDEUTET.

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