Burger Journal 06 - Oktober 2021

VON DER MÜLLDEPONIE ZUM NATURSCHUTZGEBIET Bis 1950 befand sich unterhalb der 3. und 4. Flue der sogenannte «Stadtmist», eine stinkende und von Rat­ ten verseuchte Abfalldeponie der Stadt Burgdorf. Die Deponie wurde alsdann verlagert, und bereits zwei Jahre später erklärte der Kanton Bern auf Begehren der Burgdorfer Stimmbürger die Gisnauflüe zum kantonalen Naturschutzgebiet. Rund 50 Jahre später wurde das Gebiet in südliche Richtung bis fast zur Heimiswilbrücke erweitert und umfasst heute eine Fläche von über 31 ha. Das Naturschutzgebiet bezweckt die Erhaltung eines naturnahen Waldes, die Erhaltung und Förderung des vielfältigen Lebensraums und nicht zuletzt die Erhal­ tung und Förderung der speziellen Tier- und Pflanzen­ arten. SPEKTAKULÄRE VOGELWELT Wegen dem oben fotografierten Prachtvogel pilgern Vogelfreunde aus halb Europa nach Burgdorf. Nicht etwa weil der Mauerläufer ganz besonders selten wäre, sondern weil er sonst extrem schwierig zu ent­ decken ist. Denn meist hält er sich in unzugänglichen Höhen in den Alpen auf. Doch im Winter wagt er sich ins etwas wärmere Mittelland. Mit den steilen, schrof­ fen Gisnauflüen hat er einen idealen Ort zur Überbrü­ ckung der kältesten Monate gefunden. Hier stochert er mit seinem dünnen, langen Schnabel Insekten aus den Felsritzen und Löchern. Vor allem an der 3. Flue scheint er sich gerne aufzuhalten. Ein weiteres Spektakel ist die Brut der Wanderfalken. Deren Bestand ist ja mittlerweile wieder recht gut ge­ sichert. Was die Wanderfalken in den Gisnauflüen aber besonders macht, ist ihre Treue, denn seit 1987, mit nur wenigen Unterbrüchen, brüten sie jedes Jahr in der 1. oder der 3. Flue. «Insgesamt wurden über diese vielen Jahre hinweg mehr als 80 Junge gross­ gezogen», sagt Bernhard Herren, der die Burgdorfer Vogelwelt seit Jahrzehnten beobachtet. Dabei seien die Falken auch ab und zu in Auseinandersetzungen mit dem Kolkraben verwickelt, dem grössten Schwei­ zer Rabenvogel, der hier seine Jungen auch gerne aufzieht. Viele weitere Vogelarten bevölkern sporadisch oder regelmässig die Gisnauflüe. Felsenschwalben, Ge­ birgsstelzen, Hausrotschwanz, Trauerschnäpper und Zaunkönige sind mit Glück und viel Geduld zu entde­ cken. Mit dem Status des Waldreservats sorgt die Burgergemeinde dafür, dass an den Gisnauflüen auch in Zukunft natureigene Entwicklungsprozesse der Tier- und Pflanzenwelt stattfinden können. Der Mauerläufer ist ein viel beachteter Gast in den Gisnauflüen. (Bild: Bernhard Herren)

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