Stellen mit tiefgründigem Humusboden und dementsprechend guter Wasserspeicherkapazität sehen sie dagegen noch recht gesund aus. Der Standort ist ein enorm wichtiger Faktor. Bedeutet das, dass die Buche in unseren Wäldern keine Zukunft mehr hat? So pauschal darf man das keinesfalls sagen. Die Buche wird auf Trockenstandorten verschwinden und in Tieflagen weniger häufig werden. Es wäre völlig falsch, daraus abzuleiten, dass die Buche grundsätzlich verschwindet. Welche Baumarten gewinnen künftig an Bedeutung? Schauen wir uns hier um: Da steht eine Linde, die recht gut aussieht. Daneben eine Traubeneiche, die ebenfalls kaum Schäden zeigt. Auch die Waldföhre hat den Sommer einigermassen gut überstanden. Und unmittelbar daneben stehen Buchen, die schwer geschädigt sind. Das entspricht durchaus den Erwartungen. Aber auch innerhalb einer Baumart gibt es grosse Unterschiede, abhängig vom Standort. Wir werden vermehrt auf Arten setzen müssen, die mit wärmeren und trockeneren Bedingungen besser zurechtkommen. Die Eiche ist dafür ein gutes Beispiel. Auch Linden können an geeigneten Standorten eine wichtige Rolle spielen. Entscheidend ist, dass wir die Baumartenvielfalt erhöhen und nicht alles auf eine Karte setzen. Man kann nicht einfach pauschal sagen, dass der Wald stirbt. Sie haben vorhin auf eine Buche gezeigt, die nach dem Blattverlust nochmals frisches Laub gebildet hat. Ist das ein gutes Zeichen? Mich fasziniert der Überlebenswille der Bäume. Diese Buche hatte bis vor Kurzem praktisch nur noch braune Blätter. Jetzt sehen wir plötzlich wieder hellgrünes Laub. Offenbar hat die geringe Menge an Niederschlag ausgereicht. Das zeigt uns, dass der Baum noch lebt und über gewisse Reserven verfügt. Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Was er während der Trockenheit verloren hat, kann er jetzt nicht einfach wettmachen. Bis die Böden wieder ausreichend mit Wasser versorgt sind, braucht es sehr viel Regen. Die Trockenheit ist nicht das einzige Problem, mit dem die Wälder zu kämpfen haben... Genau. Ein grosses Thema ist seit rund zwanzig Jahren das Eschentriebsterben, eine Pilzkrankheit, die unsere Eschenbestände massiv beeinträchtigt. Der Erreger befällt zunächst die Triebe. Geschwächte Eschen können anschliessend von weiteren Pilzen befallen werden, welche den Stammfuss und die Wurzeln schädigen. Irgendwann verlieren die Bäume ihre Standfestigkeit und fallen um. Diese Krankheit hat mit der Trockenheit zunächst nichts zu tun. Aber nun kommen beide Probleme zusammen: das Eschentriebsterben und die Schäden durch Wassermangel. Wir kämpfen gewissermassen an zwei Fronten. Zurück zum Galgenhübeli. Eigentlich ist das Gebiet ein idyllischer Ort mit ungestörter Natur. Weshalb ist die Situation hier besonders schwierig? Weil wir hier zwei Ziele verfolgen, die zunehmend miteinander in Konflikt geraten. Einerseits wollte man diesen Wald möglichst sich selbst überlassen und damit eine Art Naturoase schaffen. Alte Bäume, abgestorbene Äste und Totholz sind für die Biodiversität enorm wertvoll. Andererseits ist das Galgenhübeli ein intensiv genutztes Naherholungsgebiet. Wir haben zahlreiche Wege, Sitzbänke, eine Feuerstelle und einen Waldkindergartenplatz. Die Menschen sollen sich hier aufhalten und die Natur geniessen können. Dieser Widerspruch besteht schon länger, aber durch die massiven Trockenschäden hat er sich in diesem Sommer drastisch verschärft. Weshalb stehen Naturschutz und Erholungsnutzung überhaupt im Widerspruch? Schauen wir uns diese alte Buche an. Sie hat zahlreiche Höhlen und Öffnungen im Stamm, in denen zum Beispiel Insekten Lebensraum finden. Aus ökologischer Sicht ist das ein ausgesprochen wertvoller Baum. Je älter und strukturreicher er wird, desto interessanter wird er für die Biodiversität. Gleichzeitig nimmt aber das Risiko zu, dass abgestorbene Äste herunterfallen und der Baum in sich zusammenfällt. Und unmittelbar daneben verläuft ein Fussweg. Das ist unser Dilemma: Je wertvoller der Baum für die Natur wird, desto problematischer wird er für die Sicherheit der Waldbesuchenden. Müsste man ihn dann nicht einfach stehen lassen und die Besucher auf die Gefahr aufmerksam machen? In einem Wald ohne besondere Einrichtungen wäre das unproblematisch. Sterbende Bäume gehören zum natürlichen Kreislauf. Aber sobald wir Wege, Sitzbänke oder Feuerstellen betreiben, übernehmen wir eine haftungsrechtliche Verantwortung. Wir können eine bekannte und absehbare Gefahr nicht ein
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