Burger Journal 16 - November 2026

Revierförster Simon Rieben blickt in die Baumkronen der Buchen auf dem Galgenhübeli. fach ignorieren. Ein Schild mit der Aufschrift «Betreten auf eigene Gefahr» entbindet uns nicht automatisch von dieser Verantwortung. Wenn wir wissen, dass ein Baum geschädigt ist und möglicherweise auf einen Weg stürzen könnte, müssen wir handeln. Welche Konsequenzen hat das nun konkret? Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wir entscheiden uns konsequent für den Naturschutz. Dann müssten wir die Wege schliessen und die anderen Einrichtungen entfernen. Die Natur könnte sich weitgehend ungestört entwickeln, und die ökologisch wertvollen alten Bäume dürften stehen bleiben. Oder wir sagen, dass uns dieser Erholungsraum wichtig ist und wir ihn weiterhin für die Bevölkerung zugänglich halten wollen. Dann müssen wir zahlreiche Bäume entfernen. Hier wird Letzteres geschehen. Wir werden im Bereich des Galgenhübeli einige Bäume fällen müssen. Nach der Holzernte wird dieser Ort deutlich anders aussehen als heute. Das dürfte bei manchen Waldbesuchenden auf wenig Verständnis stossen. Das kann ich nachvollziehen. Aber wir tun es, weil die Sicherheit entlang der Wege nicht mehr gewährleistet ist. Das ist keine einfache Entscheidung, gerade wenn man weiss, wie wertvoll die betroffenen Bäume für die Natur sind. Sie sprechen aber auch von einer Chance für einen Neuanfang. Was meinen Sie damit? Ein Wald ist nichts Statisches. Er verändert sich ständig, Bäume werden alt, sterben ab und machen Platz für eine neue Generation. Wenn wir über lange Zeit überhaupt nicht eingreifen, kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem eine grössere Erneuerung notwendig wird. Durch die bevorstehenden Eingriffe entsteht die Möglichkeit, den Wald gezielt zu verjüngen und dabei Baumarten zu fördern, die mit den künftigen klimatischen Bedingungen besser zurechtkommen. Weshalb wachsen solche Baumarten nicht einfach von selbst nach? Das hängt unter anderem mit den Lichtverhältnissen zusammen. Wenn ein Wald so dicht ist wie hier, gelangt nur wenig Sonnenlicht auf den Boden. Unter dem Schirm der alten Bäume können sich deshalb vor allem schattentolerante Arten wie die Buche entwickeln. Wenn wir den Bestand öffnen, gelangt mehr Licht auf den Boden. Das schafft neue Möglichkeiten für eine vielfältigere Zusammensetzung der Baumarten. Wie gross ist der Aufwand, den die zunehmenden Schäden für die Burgergemeinde verursachen? Er ist beträchtlich. Allein entlang der Wanderwege an der Emme habe ich in diesem Jahr einen Kontrollaufwand betrieben wie nie zuvor. Wir müssen geschädigte Bäume erkennen, Risiken beurteilen und entscheiden, wo Massnahmen notwendig sind. Die Burgergemeinde arbeitet eng mit der Stadt Burgdorf zusammen. Für die Verkehrssicherheit auf offiziellen Wanderwegen und Velorouten sind nämlich die Einwohnergemeinden verantwortlich und nicht Waldbesitzende. Was bedeutet das für neue Freizeitangebote im Wald? Da sind wir sehr zurückhaltend. Jeder zusätzliche Weg und jede neue Einrichtung schafft nicht nur ein Freizeitangebot, sondern auch neue Fragen der Sicherheit und Verantwortung. Deshalb ist es wichtig, dass bei solchen Vorhaben von Anfang an klar geregelt wird, wer die Anlage betreibt und wer welche Verantwortung trägt. Jeder neue Pfad, jede neue Sitzbank bedeutet früher oder später wieder den Verlust eines ökologisch wertvollen Altbaumes. Das freie Betretungsrecht im Wald bedeutet übrigens nicht, dass Waldbesitzende abseits von erstellten Einrichtungen für Sicherheit und Wohlbefinden verantwortlich sind. Wenn Sie nochmals auf das Galgenhübeli schauen: Überwiegt bei Ihnen die Sorge oder die Zuversicht? Wenn wir selbst nach einer derart ausgeprägten Trockenperiode Exemplare sehen, die nochmals austreiben, und andere, die praktisch unbeschadet geblieben sind, zeigt das, wie unterschiedlich die Natur auf solche Belastungen reagiert. Natürlich machen mir die Schäden Sorgen, und wir werden uns auf weitere Veränderungen einstellen müssen. Entscheidend ist, dass wir differenziert hinschauen. Denn der Wald stirbt nicht einfach – er verändert sich.

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc3MzQ=