Burger Journal 06 - Oktober 2021
nase Risse zeigten und ab und zu Steinbrocken auf die so wichtige Strasse fielen. Meist kam niemand zu Schaden, bis im Sommer 1669 aber ein so grosses Stück des überhängenden Felsens auf die Strasse stürzte, dass die Passage der Emmenbrücke vor übergehend eingestellt wurde. Mit insgesamt 10 Sprengungen und Abgrabungen wollte man die Ge fahr endgültig bannen. Doch der Fels gab keine Ruhe. Am 31. Oktober 1724 ereignete sich an der 1. Flue ein gewaltiger Felssturz. Der noch überragende Teil stürzte herab, zerstörte die Emmenbrücke und ver schüttete die Strasse. Der Burgdorfer Chronist Jo hann Rudolf Aeschlimann beschrieb den Vorfall in sei ner «Geschichte von Burgdorf und Umgegend» recht dramatisch: «Unter furchtbarem Krachen stürzte der noch überragende Theil der Flue herab, zerstörte den äußeren Stock samt den 2 nächsten Feldern der da mals längeren Emmenbrücke und füllte eine nächst derselben im Flusse befindliche Haustiefe ‹Glunke› ganz aus; das darin befindliche Wasser wurde nebst den Fischen weit jenseits der Emme hinaus geschleu dert. Dieser Felsensturz überdeckte die Straße der maßen, daß man länger als ein Jahr brauchte, um sie abzuräumen und wieder herzustellen.» Als Überreste dieses historischen Felssturzes findet man noch heute den so genannten «Hochzeitsfelsen» und im Schachen das «Kleine Matterhorn». SAGENUMWOBENE, UNHEIMLICHE FLÜE Doch die drohenden Felsstürze waren nicht die ein zige Gefahr, die von den Flüen ausging. Um die Felsen und Höhlen rankten sich allerlei Sagengeschichten und Märchen. So liess beispielsweise Jeremias Gott helf in seiner fantasievollen historischen Erzählung «Die Gründung Burgdorfs oder Die beiden Brüder Sintram und Bertram» den satanischen Drachen in der «Chesselgrube» zwischen 3. und 4. Flue sein Un wesen treiben. Die beiden heldenhaften Brüder aus dem Aargau besiegten den Drachen im Jahr 712 und sollen der Legende nach dann Burgdorf gegründet haben. Auch in anderen, weniger berühmt geworde nen Geschichten, werden Höhlen und sich öffnende Felswände zum Symbol des Totenreichs. Genährt und erhalten wurden solche Sagengeschich ten nicht zuletzt durch die Tatsache, dass am Fuss der Flüe immer auch schon Menschen am Rande der Ge sellschaft, Bettler, Vagabunden oder düstere Wande rer auf der Durchreise logierten. Der schmale Strei fen zwischen den steilen Felswänden und der Emme, der ursprünglich auch «Geissenau» genannt wurde, war immer schon etwas unheimlich und nicht der Ort, wo man sich unbeschwert aufhielt. Er bot nämlich all jenen eine kurz- oder längerfristige Bleibe, die lieber unerkannt oder unbemerkt bleiben wollten. Eine Not Die letzte Felsenwohnung wurde bis in die 1930er Jahre bewohnt. (Bild Fr. Eymann, ca. 1915)
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