Burger Journal 14 - November 2025

Bei der Deutung von Familiennamen unterscheidet man folgende Typen: 1. Rufnamen: Benennung nach Vater-, seltener Mutternamen, z.B. Friedrich, Annen 2. Herkunftsnamen: Zugezogene nach ihrer Herkunft, z. B. von Siebenthal, Basler 3. Wohnstättennamen: Einheimische nach ihrem Wohnort, z. B. Imhof, Wegmann 4. Berufsnamen: nach Tätigkeit, Amt, gesellschaftlicher Stellung, z. B. Bauer, Müller, Vogt 5. (Berufs-)Übernamen: nach körperlicher, charakterlicher, biographischer Eigenheit oder beruflicher Tätigkeit, z. B. Schön, Hässig oder Hammer. Man kann Familiennamen in der Regel deuten und sie dem zugrunde liegenden Ruf- oder Ortsnamen (Typen 1 bis 3) oder Gattungswort (Typen 4 und 5) zuordnen. Verliehen worden ist der Name dem ersten Träger aufgrund eines besonderen Merkmals. Schütz Schon anno 1271 lebte ein ,Wernerus Schütz` in Burgdorf. Kaum mit ihm verwandt sind die 1865 eingebürgerten Schütz. Das zu schiessen gebildete sd. Schütz, mhd. schütze m. (vgl. sd. Beck m. «Bäcker» zu bachen) hat mehrere Bedeutungen. Zwei davon kommen für den Namen in Frage, beide typologisch Berufsnamen: Schütz steht für einen, der im Schiessen geübt ist oder sich übt, mit Pfeil und Bogen oder der Armbrust, später dann mit der Feuerwaffe, der Büchse; Schütz kann aber auch «(Flur-)Wächter» meinen, der mit einer Schusswaffe ausgerüstet die Flur bewacht (meist als zum Verb schützen gehörig empfunden). Niederhauser Niderhūs ist ein schweizweit häufiger Hofname, im Emmental ist er etwa in der Gemeinde Affoltern zu finden. Hierbei korrespondiert sd. nider mit ober und weist so auf eine Güteraufteilung hin; wo eine Ober-Entsprechung fehlt, ist an die niedere Lage der Lokalität zu denken. Zu Niderhūs gehört, erweitert mit der Silbe -er, der Familienname Niderhuser (heute Niederhauser), als Wohnstättenname («auf Niderhus wohnhaft») oder als Herkunftsname («von Niderhus zugezogen»). Niederhauser ist alt heimatberechtigt etwa im nahe bei Affoltern gelegenen Wyssachen, von wo die Burgdorfer Niederhauser stammen. Howald Howald ist einzig im Kanton Bern alt bezeugt, vor allem im Oberaargau, in der Gemeinde Graben etwa. Von Graben stammen denn auch die Burgdorfer Howald. Der Name ist als Wohnstättenname zu einem – in der gesamten Deutschschweiz verbreiteten – Flurnamentypus Ho(ch)wald zu deuten und bezeichnet den ersten Howald danach, dass er bei einem Hochwald wohnhaft war – der ch-Laut in der ursprünglichen Zusammensetzung sd. Hōchwald m. ist schon spätmittelalterlich oft geschwunden. Der Hochwald war nicht der hochgelegene oder hochstämmige Wald, sondern der Wald, der in obrigkeitlichem oder in Gemeindebesitz war. Schwammberger Einzig im aargauischen Auenstein ist Schwammberger bereits vor 1800 verbürgert. Ohne ältere Nachweise ist der Name nur schwer zu deuten. Wahrscheinlich geht er als -er-Herkunftsname zurück auf einen Flur- oder Hofnamen Schwandberg, zu sd. Schwand m./f. «Hau, Kahlschlag in einem Wald» und sd. Bërg m. «Erhöhung, Berg»: *Schwandberger «wer von einem Ort Schwandberg zugezogen ist». Die Lautfolge -ndb- wird in der Mundart häufig zu -m(m)b-/-m(m)p- zusammengezogen: schandbar zu mda. schampar oder Gandbach zu Gambach, Lindbach zu Limpach, Sandbüel zu Sambüel usw., und so auch Schwandberg zu Schwammberg. Abkürzungen: sd. = schweizerdeutsch / germ. = germanisch / mhd. = mittelhochdeutsch / ahd. = althochdeutsch / frühnhd. = frühneuhochdeutsch / lat. = lateinisch / Bed. = Bedeutung / m.-f.-n. = maskulin - feminin - neutral / * = erschlossene, so nicht belegte Form Serie: Burgerliche Namen MIT EINER FORTLAUFENDEN SERIE ERLÄUTERN WIR DIE BEDEUTUNG DER NAMEN VON BURGERN IN DER CHRONO- LOGISCHEN REIHENFOLGE IHRER AUFNAHME IN DIE BURGERGEMEINDE. IN DIESER AUSGABE WERDEN DIE NAMEN SCHÜTZ (1865), HOWALD (1865), NIEDERHAUSER(1865) UND SCHWAMMBERGER (1865) GEDEUTET.

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