Kenntnisse der Komik und des körperbetonten Theaters. Die dort erlernte Kunst, mit wenigen Mitteln ganze Geschichten zu erzählen, prägt sein Schaffen bis heute. Zurück in der Schweiz folgten zahlreiche Engagements und eigene Projekte. Seit 2001 gehört Markus Schrag zum Improvisationstheater «Theater am Puls». Er wirkte in Film- und Fernsehproduktionen mit, stand auf unzähligen Bühnen und entwickelte immer wieder neue Figuren und Formate. EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT Eine wichtige Rolle in seiner Laufbahn spielt Luciano Andreani. Die beiden Künstler begegneten sich 1999 zufällig in einem Brockenhaus in Worb, wo sie sich für denselben Akkuschrauber interessierten. Aus der Begegnung entstand eine langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit. Als Comedy-Duo «Hell und Schnell» tourten sie von 2003 bis 2015 durch die Schweiz. Ihre Auftritte verbanden absurden Humor mit selbstgebauten Apparaturen, überraschenden Effekten und einer gehörigen Portion Selbstironie. Die gemeinsame Freude am Tüfteln und Experimentieren ist geblieben. Ein sichtbares Zeugnis davon ist der «Luftibus» über dem Mühlebach in der Burgdorfer Unterstadt. Das kinetische Kunstwerk mit seinem beweglichen Gesicht reagiert auf Wind und lässt sich durch Wasserpumpen auch vom Publikum zum Leben erwecken. Es ist Kunst, die nicht aus der Distanz betrachtet werden will, sondern zum Mitmachen einlädt. KULTUR ENTSTEHT GEMEINSAM Markus Schrags Wirken erschöpft sich längst nicht in der Rolle des Darstellers. Mindestens ebenso wichtig ist ihm, anderen eine Bühne zu bieten. Ein Beispiel ist der «Kuriose Mittwoch» in der Kulturhalle Sägegasse. Das 2019 von ihm und Stefanie Bolzli lancierte Varietéformat bietet Raum für Musik, Comedy, Artistik und überraschende Experimente. Hier treffen etablierte Kunstschaffende auf Nachwuchstalente, lokale Grössen auf Gäste von ausserhalb. Nicht alles muss perfekt sein. Gerade das Unvorhersehbare macht den Reiz solcher Abende aus. Ein weiteres Herzensprojekt ist die «Buvette Sans Souci». Seit 2020 verwandelt das sommerliche Festival einen Platz in Burgdorf für einige Tage in eine lebendige Welt aus Strassentheater, Zirkus, Musik und Begegnungen. Das Programm bringt Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Herkunft und Disziplinen zusammen und macht Kultur unmittelbar erlebbar. Markus Schrag ist dabei nicht bloss Organisator. Neben den Mitstreiterinnen Xenia Jundt, Simone Wahli und Brigitte Woodtli bringt er sein weit verzweigtes Netzwerk ein, kümmert sich um praktische Fragen und sorgt mit seinem technischen Können dafür, dass aus einer Idee eine funktionierende Bühne wird. Auch international tätige Kunstschaffende finden durch ihn den Weg nach Burgdorf. Wie selbstverständlich Markus Schrag zwischen Kunst und Handwerk wechselt, zeigt sich auch hinter den Kulissen. Er entwirft und baut Bühnenbilder, Requisiten und mechanische Objekte für unterschiedlichste Theaterproduktionen. Eine ferngesteuerte Krähe gehört ebenso zu seinen Arbeiten wie aufwendige Bühneneffekte. Dazu vermietet er Zirkuszelte und die passende Infrastruktur. Wo andere zwischen künstlerischer Idee und technischer Umsetzung eine Grenze ziehen, sieht Schrag vor allem Möglichkeiten. Diese Vielseitigkeit macht ihn zu einer besonderen Figur in der Kulturszene. Er ist Schauspieler, Komiker, Handwerker, Ideengeber, Netzwerker und Möglichmacher in einer Person. Vor allem aber scheint ihn eine Überzeugung anzutreiben: Kultur lebt vom gemeinsamen Tun. Vom gegenseitigen Unterstützen, vom Ausprobieren und von der Bereitschaft, auch einmal etwas zu wagen, dessen Ausgang noch ungewiss ist. VERDIENTE ANERKENNUNG Mit dem Kulturpreis 2026 würdigt die Burgergemeinde Burgdorf deshalb weit mehr als eine beeindruckende künstlerische Laufbahn. Die Kulturkommission mit Lorenz Landolt, Alexandra Kunz, Mirjam Hässig, Raff Fluri und Remo Zumstein zeichnet einen Menschen aus, der das kulturelle Leben der Region seit Jahrzehnten mitgestaltet und bereichert. Markus Schrag ist auf Bühnen weit über Burgdorf hinaus zu Hause. Seine künstlerischen Wurzeln und sein Lebensmittelpunkt liegen jedoch in der Region. Hier entstehen Ideen, werden Freundschaften gepflegt und Projekte verwirklicht, die ohne seinen Einsatz vielleicht nie zustande gekommen wären. Der Kulturpreis ist damit auch eine Anerkennung für jene oft unsichtbare Arbeit, ohne die eine lebendige Kulturszene nicht denkbar wäre: Für das Organisieren, Vernetzen, Aufbauen und Ermöglichen. Und für einen Künstler, der sich selbst nicht immer ganz ernst nimmt, seine Arbeit und die Menschen dahinter aber umso mehr.
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