Burger Journal 02 - September 2019

Bei der Deutung von Familien­ namen unterscheidet man fol­ gende Typen: 1. Rufnamen : Benennung nach Vater-, seltener Mutter­ namen, z.B. Friedrich, Annen 2. Herkunftsnamen : Zugezo­ gene nach ihrer Herkunft, z.B. von Siebenthal, Basler 3. Wohnstättennamen : Einhei­ mische nach ihrem Wohnort, z.B. Imhof, Wegmann 4. Berufsnamen : nach Tätig­ keit, Amt, gesellschaftlicher Stellung, z.B. Bauer, Müller, Vogt 5. (Berufs-)Übernamen : nach körperlicher, charakterli­ cher, biographischer Eigen­ heit oder beruflicher Tätig­ keit, z.B. Schön, Hässig oder Hammer. Man kann Familiennamen in der Regel deuten und sie dem zugrunde liegenden Ruf- oder Ortsnamen (Typen 1 bis 3) oder Gattungswort (Typen 4 und 5) zuordnen. Verliehen worden ist der Name dem ersten Träger aufgrund eines besonderen Merkmals. Buri Für Buri (und ebenso für die Schreib­ variante Burri für zwei nach 2000 ins Burgerrecht aufgenommene Familien) gibt es zwei Herleitungsmöglichkeiten. Die erste basiert auf einer alemanni­ schen Kurz- und Koseform Bur(g)i, Bur(k)i auf -i zum Rufnamen Burg-, Burk­ hart (zu ahd. burg «Burg, Schutz» und ahd. -hart, «kräftig, tüchtig») – letztlich ein Vatername (Typus 1). Oder aber Bur(r)i ist ursprünglich eine männliche Weiterbildung auf –i zum Verb sd. burren «zornig aufbrausen» und würde den ersten Namenträger wegen seines aufbrausenden Charakters be­ zeichnen – also ein Übername (Typus 5). Fankhauser Für die Fankhauser von 1534 gilt dassel­ be wie für die drei nach 2000 ins Burger­ recht aufgenommenen Familien: Alle ha­ ben letztlich etwas mit Fankhaus zu tun – und mit Fankhaus ist in der Regel der Weiler in der Gemeinde Trub gemeint. Gebildet ist der Familienname mit der den Wohnort oder die Herkunft anzei­ genden Silbe –er und meint «wer in F. wohnt» (Typus 3) oder «wer von F. zu­ gezogen ist» (Typus 2). Fankhaus selbst ist mit Fang m. «eingefangenes Land» und Hūs n. zusammengesetzt – also «das Haus im eingefriedeten Land»; ge­ sprochen wird es mit –u- (nicht mit schriftsprachlichem –au-). An der Wort­ grenze ist –ngh- zu –nk- geworden (wie etwa auch in Jungherr zu Junker). Grieb Zu den Übernamen (Typus 5) gehört Grieb, was allerdings nur der Blick zu­ rück in die Sprachgeschichte erhellt. Zu­ grunde liegt Grieb nämlich mhd. griebe m. «Griebe, ausgeschmelzter Speckwür­ fel; ausgedörrte Rückstände» (im Bern­ deutschen heute vor allem in der Form Gräubi n.). Leicht konnte diese Bedeu­ tung auf magere, schmächtige Men­ schen übertragen werden – und ein sol­ cher muss der erste Grieb gewesen sein. Der der betreffenden Person zunächst als Beiname aufgrund der hageren Ge­ stalt verliehene Zusatz wurde zum fes­ ten Familiennamen, als auch die Nach­ kommen Grieb genannt wurden. Maritz Maritz, so noch um 1900 als Tauf- oder Vorname bekannt, ist, ebenso wie Moritz, Kurzform zum männlichen Personen­ namen Mauritius. Im Mittelalter war Mauritius in der Schweiz verbreitet, dank der Beliebtheit des heiligen Mauritius, der nach der Legende als Anführer der Thebäischen Legion Ende des 3. Jahr­ hunderts bei Saint-Maurice im unteren Wallis den Märtyrertod fand. Mauritius selber ist ein lat. Name, gebildet zu lat. Maurus mit der Bed. «der aus Maureta­ nien Stammende, der Maure». Die ers­ ten Maritz haben also ihren Geschlechts­ namen als sog. Patronymikum nach dem Vater bekommen, der Familienname Maritz gehört zu unserem Typus 1. Abkürzungen: sd. = schweizerdeutsch / germ. = germanisch / mhd. = mittelhochdeutsch / ahd. = althochdeutsch lat. = lateinisch / Bed. = Bedeutung / m.-f.-n. = maskulin - feminin - neutral / * = erschlossene, so nicht belegte Form Serie: Burgerliche Namen MIT EINER FORTLAUFENDEN SERIE ERLÄUTERN WIR DIE BEDEUTUNG DER NAMEN VON BURGERN IN DER CHRONOLOGISCHEN REIHENFOLGE IHRER AUFNAHME IN DIE BURGERGEMEINDE. IN DIESER AUSGABE WERDEN DIE NAMEN MARITZ (1533), BURI (1534), FANKHAUSER (1534) UND GRIEB (1534) GEDEUTET.

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