Burger Journal 15 - April 2026

Bei der Deutung von Familiennamen unterscheidet man folgende Typen: 1. Rufnamen: Benennung nach Vater-, seltener Mutternamen, z.B. Friedrich, Annen 2. Herkunftsnamen: Zugezogene nach ihrer Herkunft, z. B. von Siebenthal, Basler 3. Wohnstättennamen: Einheimische nach ihrem Wohnort, z. B. Imhof, Wegmann 4. Berufsnamen: nach Tätigkeit, Amt, gesellschaftlicher Stellung, z. B. Bauer, Müller, Vogt 5. (Berufs-)Übernamen: nach körperlicher, charakterlicher, biographischer Eigenheit oder beruflicher Tätigkeit, z. B. Schön, Hässig oder Hammer. Man kann Familiennamen in der Regel deuten und sie dem zugrunde liegenden Ruf- oder Ortsnamen (Typen 1 bis 3) oder Gattungswort (Typen 4 und 5) zuordnen. Verliehen worden ist der Name dem ersten Träger aufgrund eines besonderen Merkmals. Eichenberger Auf -er gebildeter Herkunfts- oder Wohnstättenname zu einem Flurnamen Eich(en)berg: Eichenberger ist entweder als «von E. zugezogen» oder als «auf E. ansässig» aufzulösen. Ursprünglich stammt die Burgdorfer Familie aus Beinwil a/See, wo der Name noch heute heimisch und schon 1359 als ,[von] Eichiberg` nachgewiesen ist. Das Beinwiler Geschlecht ist wohl mit dem heutigen Eichberg («die mit Eichen bestandene Anhöhe») ob Seengen zu verbinden. Eichberg könnte einst auch ,Eichen-, Eichiberg` gelautet haben, oder im Familiennamen ist in der Fuge zwischen den beiden Wörtern -en- ergänzt worden. Surbeck Alt nur im Kanton SH bezeugt, etwa in Oberhallau, von wo unsere Surbeck herstammen. Mit sd. sūr «wie nhd. sauer» und sd. Beck m. «Bäcker» gebildet, meint sd. Sūrbeck, mhd. sūrbecke m. «Sauerbrotbäcker». Der Berufsname spiegelt zusammen mit Namen wie Süessbeck für den Zuckerbäcker, Brodbeck für den Bäcker, der nur Brot, keine feinere Bäckerware liefert, oder die einfach «Bäcker» bedeutenden Beck und Pfister die feine Differenzierung des alten, streng beaufsichtigten Bäckerwesens. Surbeck : Süessbeck kann auch auf den für das Brot je anders angesetzten Teig anspielen, auf den Sauerteig im Gegensatz zum Hefeteig. Reichenbach Orts- und Flurnamen können ohne -er-Endung zu Familiennamen vom Typus 2 oder 3 werden (vgl. etwa Hof neben Hofer), so auch Reichenbach. Die Reichenbach (einst aus Gsteig) verdanken ihren Namen einem identischen Hofnamen, dieser zu einem anliegenden Bachnamen. Reichenbach, gesprochen Richebach, enthält das Adjektiv mhd. rīch(e) «mächtig, gewaltig, reich» – ein Hinweis auf Wasser- oder Fischreichtum – oder einen ahd. Personennamen Rīcho - der Bach dann als Eigentum ausgewiesen. Langes -ī- ist in der Aussprache als -ī- bzw. gekürztes -i- erhalten, in der Schreibweise ist es zu -ei- geworden (wie Līb zu Leib). Schafroth Das Wappen mit dem Schaf auf rotem Grund ist eine Laieninterpretation, der Name hat weder mit einem Schaf noch mit der Farbe Rot zu tun. Schafroth ist ein sog. Satzname (ein Satz wird zum Namen; vgl. Sūfūs ,trink aus` für einen Trunkenbold), in dem ,[ich] schaffe Rat` steckt, und steht – sd. Rāt, mhd. rāt m. bedeutet neben «Ratschlag» auch «Fürsorge; Hilfe; Vorrat» – als Übername (Typus 5) für einen, der gern mit Rat dient oder um solchen gebeten wird. Der Name ist in Deutschland (Schafrath, Schaffenroth uä.) ebenfalls bekannt. Altes -ā- ist zu -ō- „verdumpft“, was wir in der Mundart z. B. auch in jō für jā kennen. Abkürzungen: sd. = schweizerdeutsch / germ. = germanisch / mhd. = mittelhochdeutsch / ahd. = althochdeutsch / frühnhd. = frühneuhochdeutsch / lat. = lateinisch / Bed. = Bedeutung / m.-f.-n. = maskulin - feminin - neutral / * = erschlossene, so nicht belegte Form Serie: Burgerliche Namen MIT EINER FORTLAUFENDEN SERIE ERLÄUTERN WIR DIE BEDEUTUNG DER NAMEN VON BURGERN IN DER CHRONO- LOGISCHEN REIHENFOLGE IHRER AUFNAHME IN DIE BURGERGEMEINDE. IN DIESER AUSGABE WERDEN DIE NAMEN SCHÜTZ (1865), HOWALD (1865), NIEDERHAUSER(1865) UND SCHWAMMBERGER (1865) GEDEUTET.

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