Burger Journal 15 - April 2026

BURGER JOURNAL15 April 2026 Aus dem Inhalt ----- ZUKUNFT MIT HERKUNFT Was macht die Burgergemeinde aus? Und wie gestaltet sie sich im Wandel der Zeit? Ein Gespräch mit aktuellen und einem älteren, ehemaligen Mitglied des Burgerrats. AUSZEICHNUNGEN FÜR ENGAGEMENT UND TALENT Mit dem Kulturförderpreis und dem Sportförderpreis zeichnet die Burgergemeinde Burgdorf alle zwei Jahre junge Persönlichkeiten aus. HOLZ, DAS WÄRMT UND SINN STIFTET Brennholz aus dem Burgerwald wird nicht nur nachhaltig produziert, sondern im SAZ Burgdorf auch sozial wertvoll verarbeitet.

Beat Maurer, Burgerratspräsident Liebe Leserin, lieber Leser Kontinuität und auf lange Sicht ausgerichtetes Handeln sind wesentliche Merkmale unserer Burgergemeinde. Und, dass wir unsere Mittel zur Weiterentwicklung unserer Stadt und zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen. Das aktuelle Burger Journal verdeutlicht die Breite unseres Engagements. Seit vielen Jahren fördert die Burgergemeinde Kultur und Sport in Burgdorf. Wir unterstützen nicht nur einzelne Projekte und Veranstaltungen, sondern honorieren mit dem Kultur- und dem Sportförderpreis herausragende Talente und ausserordentliche Leistungen. An wen die letzten Förderpreise gingen und warum, lesen Sie in dieser Ausgabe des Burger Journals. In einer besonders umfassenden Dimension zeigt sich unser Engagement für Kultur und Bildung in der Stadtbibliothek. Hier haben wir ein grosses Umbau- und Modernisierungsprojekt gestartet. Die Planung schreitet voran und eine Übergangslösung während der Bauarbeiten ist gefunden. Ein kurzer Beitrag skizziert einige Neuerungen. Wir können uns jedenfalls auf die «neue» Bibliothek freuen! Erfreulich und besonders sinnstiftend ist auch unsere langjährige Zusammenarbeit mit dem SAZ Burgdorf. Die Konfektionierung, der Verkauf und die Lieferung von Brennholz aus dem Burgerwald ist fester Bestandteil des SAZ-Angebots, das rege genutzt wird. Auch darüber erfahren Sie mehr auf den folgenden Seiten. Bald ist Muttertag. Das Sommerhaus bietet zu diesem Anlass seinen traditionellen Muttertags-Brunch und ein besonderes Feiertags-Menu an. Wäre das nicht auch für Sie eine gute Gelegenheit, den wunderbaren Gasthof am Stadtrand wieder einmal zu besuchen und die einmalige Ambiance im Grünen zu geniessen? Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und viele schöne Frühlingstage in unserer Stadt.

– Zukunft mit Herkunft KONTINUITÄT ZUM WOHL DER ALLGEMEINHEIT Über Generationen hinweg gehörten die Fankhausers zu den prägenden Familien in der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklung Burgdorfs. Schon 1604 hier eingeburgert, bekleideten mehrere Sprosse der Familie das Amt des Burgermeisters und hatten damit massgeblich Einfluss auf die städtischen Angelegenheiten. Der heute 91-jährige Heinz Fankhauser ist Vertreter der zehnten Generation. Er war von 1986 bis 2001 selbst Mitglied des Burgerrats und hat als historisch interessierter Burger die Entwicklungen der Burgergemeinde seit jeher verfolgt. Denn bei aller Kontinuität: Die Rolle und das Selbstverständnis der Burgergemeinde haben sich im Laufe der Jahrhunderte und erst recht in den letzten 50 Jahren stark gewandelt. VOM EXKLUSIVEN KREIS ZUR OFFENEN INSTITUTION «Zu meiner Zeit waren wir uns im Burgerrat bewusst, dass die öffentliche Wahrnehmung der Burgergemeinde kontrovers ist. Viele sahen in der Burgerschaft immer noch einen elitären, vermögenden Kreis, der sich als undemokratisches Relikt aus früheren Jahrhunderten erhalten habe», erzählt Heinz Fankhauser. In aller Munde war damals auch die laute Kritik an der viel grösseren, wohlhabenden und sehr einflussreichen Burgergemeinde Bern. Dieser wurden immer wieder dubiose Machenschaften, subtile politische Machtausübung und historische Verbindungen zu Nazi-Gesinnung vorgeworfen. IM BURGERRAT GAB ES JÜNGST EINIGE WECHSEL. BEAT MAURER AMTET NEU ALS BURGERRATSPRÄSIDENT, UND MIT MARTIN HAUERT UND JÜRG LUTZ SIND ZWEI NEUE MITGLIEDER INS GREMIUM GEWÄHLT WORDEN. SCHON LÄNGST NICHT MEHR DABEI IST HEINZ FANKHAUSER. MIT IHM UND DEN «NEUEN» SPRACHEN WIR ÜBER DIE BURGERGEMEINDE IM WANDEL DER ZEIT.

«Diese breit in den Medien geführte Diskussion färbte auch auf die Burgdorfer Burgergemeinde ab und prägte die öffentliche Wahrnehmung unserer Institution», ergänzt Heinz Fankhauser. Dem wollte man resolut entgegenwirken, indem man Transparenz schuf und vermehrt neue, junge Burgerinnen und Burger aufnahm. Zudem begann man offener darüber zu kommunizieren, was die Burgergemeinde konkret macht, welche Aufgaben sie erfüllt und welchen Nutzen die Allgemeinheit davon hat. Allerdings war das öffentliche Engagement der Burgergemeinde vor 50 Jahren nicht mit heutigen Verhältnissen vergleichbar. Aufgrund der massiv fallenden Holzpreise schwanden die traditionellen Einkünfte aus der Waldbewirtschaftung drastisch. So verfügte die Burgergemeinde nur über wenige finanzielle Mittel, um grössere Projekte zu unterstützen oder gar zu ermöglichen, wie das heutzutage der Fall ist. In den 1980er Jahren warf der Wald keine Erträge ab, sondern erforderte im Gegenteil bedeutende Investitionen. SAURER REGEN UND DROHENDES WALDSTERBEN Zu Beginn der 1980er Jahre machte die bereits allenthalben sichtbare Schwächung der Wälder und das befürchtete Waldsterben den Wald zum Symbol für den Umweltschutz. Als grosse Waldbesitzerin sah sich die Burgergemeinde natürlich in der Pflicht, den Wald zu pflegen und mit geeigneten Massnahmen zu bewahren, wie dies schon seit Jahrhunderten der Fall ist. Die breite Diskussion um das Waldsterben und den nachweislichen Zusammenhang mit der Luftverschmutzung führte immerhin zur Einführung strengerer Luftreinhaltemassnahmen wie etwa dem Katalysator für Verbrennungsmotoren in Autos und Abgasfilteranlagen in Industriebetrieben. Das flächendeckende Waldsterben trat glücklicherweise nicht ein. Dennoch hat sich der Stellenwert des Waldes drastisch verändert. Er übernahm mehr und mehr eine gesellschaftliche Rolle als intakter, naturnaher Freizeit- und Naherholungsraum. Dazugekommen sind in Zeiten des Klimawandels seine Bedeutung als Klimaschützer, indem er CO2 bindet, aber auch als Opfer von klimabedingten längeren Phasen der Trockenheit und Hitze. Die wirtschaftliche Nutzung trat indes immer mehr in den Hintergrund, auch weil die Importe von Billigholz aus Osteuropa und Skandinavien den Schweizer Holzmarkt zusehends dominierten. «Derzeit zeichnet sich wirtschaftlich eine gewisse Stabilisierung der Waldbewirtschaftung ab», sagt Burgerratspräsident Beat Maurer. «Der Wald ist nicht mehr defizitär, sondern knapp kostendeckend, weil lokaler Holzbau und sonstige Sparten die Nachfrage nach unserem nachhaltigen Holz wieder etwas ansteigen liessen.» Aber die finanziellen Mittel, um etwa einen Casino-Umbau mitfinanzieren oder eine überregional bedeutende Bibliothek betreiben zu können, kommen längst nicht mehr aus den Wäldern rund um Burgdorf, sondern aus den langfristig gewährten Baurechten. BAURECHTE ALS DOPPELTES ERFOLGSMODELL Einen wesentlichen Teil ihres Grundeigentums in der Bauzone vergibt die Burgergemeinde im Baurecht. Sie ermöglicht so Bauherren den Bau von Wohn- und Geschäftsbauten auf ihrem Boden und erhält dafür im Gegenzug einen moderaten Baurechtszins. Aufgrund der in den letzten Jahren explodierenden Bodenpreise ist dies für viele potenzielle Bauherren oft die einzige Möglichkeit, sich ein Eigenheim finanzieren zu können. «Für die Burgergemeinde sind die Baurechte heute die wichtigste Einnahmequelle. Gleichzeitig bleibt sie Grundeigentümerin und kann so weiterhin zur nachhaltigen Stadtentwicklung jenseits von spekulativem Wohnungsbau beitragen», erklärt Beat Maurer. Und dies trifft letztlich den Kern des Selbstverständnisses – die DNA – der Burgergemeinde Burgdorf: Mit den ihr übertragenen Gütern und den daraus erwirtschafteten Erträgen eine langfristig positive Entwicklung zugunsten der AllgemeinIm Gespräch: Heinz Fankhauser und Beat Maurer

heit zu ermöglichen. Dies, sowie die Bewahrung des historischen Erbes und des natürlichen Lebensraums, sind die wirklich ausschlaggebende Legitimation einer modernen Burgergemeinde im 21. Jahrhundert. FÜR EIN LEBENSWERTES BURGDORF, HEUTE UND IN ZUKUNFT «Wir wollen in Zusammenarbeit mit der Einwohnergemeinde, mit Privatpersonen und Unternehmen unsere Stadt vorwärtsbringen und die zahlreichen Stadtqualitäten erhalten und verbessern. Dafür setzen wir unsere Mittel ein», bringt es Beat Maurer auf den Punkt. Burgdorf soll der Bevölkerung echte lokale Lebensqualität bieten, und zwar in allen Lebensbereichen: Beim Wohn-, Einkaufs- und Arbeitsplatzangebot, im Freizeit- und Kulturbereich und auch hinsichtlich eines intakten Lebensraums. Dabei kann die Burgergemeinde als Impulsgeberin aber auch «Ermöglicherin» von konkreten Projekten fungieren. Weil sie nicht auf unmittelbare, schnelle Rendite angewiesen ist, kann sie langfristig angelegte Projekte zur Erhaltung oder Verbesserung der Stadtqualität für die Allgemeinheit mittragen. Dabei können nebst dem heutigen Engagement durchaus auch neue Themen in den Fokus treten. «Wir sind offen und denken darüber nach, in welchen zukunftsrelevanten Bereichen sich die Burgergemeinde künftig stärker einbringen wird», erklärt Beat Maurer. NEU IM BURGERRAT: JÜRG LUTZ UND MARTIN HAUERT Der gebürtige Oberburger Jürg Lutz ist seit seiner Schulzeit am Gymnasium mit Burgdorf verbunden. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft und mehreren Jahren in verschiedenen Führungspositionen liess er sich 2009 mit seiner Familie in Burgdorf nieder und engagiert sich als selbständiger Strategieberater, Verwaltungsrat und Investor in zahlreichen innovativen Unternehmen. Mit besonderem Herzblut und seit bald 20 Jahren übernimmt er Verantwortung in der Tennishalle Burgdorf AG. Dazu kam nun sein Amt im Burgerrat, wo er das Ressort Finanzen übernimmt. «Als gut aufgestellte Burgergemeinde können wir Dinge bewegen und erhalten, ohne kurzfristige betriebswirtschaftliche Kriterien erfüllen zu müssen. Darauf freue ich mich», erklärt Jürg Lutz seine Motivation, sich in der Burgergemeinde einzusetzen. Martin Hauert ist quasi mit der Burgergemeinde aufgewachsen. Er bewirtschaftet mit seiner Familie den burgerlichen Landwirtschaftsbetrieb Lerchenboden in dritter Generation und erinnert sich noch gut daran, wie es als Kind war, wenn jeweils einmal im Jahr der Burgerrat den Pachtbetrieb besuchte. «Heutzutage ist der Umgang viel lockerer und weniger formell als zu Zeiten meiner Kindheit», erzählt Martin Hauert. Es mache ihn stolz, als Mitglied des Burgerrats im Ressort Wald mitwirken zu können. «Als die Anfrage kam, bin ich fast ein bisschen erschrocken und fühlte mich gleichzeitig sehr geehrt», gibt er zu. Als Landwirt und mit Boden und Wald besonders eng verbundenem Burger liegt ihm der Erhalt und die Pflege der natürlichen Ressourcen besonders am Herzen. «Die Burgergemeinde muss in die Zukunft schauen und zum Vorteil kommender Generationen handeln. So hat sie es schon immer getan. In heutigen Zeiten von Klimawandel und ungezügeltem Profitdenken ist diese Haltung umso wichtiger.» Jürg Lutz, Ressort Finanzen Martin Hauert, Ressort Wald

Auszeichnungen für Engagement und Talent KULTUR- UND SPORTFÖRDERUNG Mit dem Kulturförderpreis und dem Sportförderpreis zeichnet die Burgergemeinde Burgdorf alle zwei Jahre junge Persönlichkeiten aus, die mit Talent, Beharrlichkeit und Haltung überzeugen. 2025 gehen die Auszeichnungen, welche im Frühjahr 2026 verliehen wurden, an den Klangkünstler Tobias Lanz und den Tennisspieler Justin Lenders. Zwei junge Männer, die auf ganz unterschiedlichen Bühnen unterwegs sind und Burgdorf dabei weit über die Region hinaus vertreten. Der 28-jährige Tobias Lanz, ist in Burgdorf aufgewachsen und kehrt künstlerisch immer wieder hierher zurück. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Musik und Klangkunst, zwischen physischer Erfahrung und abstrakter Wahrnehmung. Wer versucht, seine Klangwelten in klassische Kategorien zu fassen, merkt schnell: Das greift zu kurz. Lanz komponiert nicht einfach Musik. Er schafft Räume. Räume aus Schwingungen, aus feinen Verschiebungen, aus Klängen, die sich überlagern, auflösen und neu formieren. Sein Zugang ist forschend, beinahe wissenschaftlich. Schwebungsfrequenzen, akustische Resonanzen und räumliche Bedingungen werden zu künstlerischem Material. Dabei fordert seine Arbeit ein aktives Zuhören, ein Einlassen auf Nuancen, auf das Dazwischen. «Es ist eine Musik, in die man sich hineinbegeben muss», sagt er. «Sie verändert die Hörgewohnheiten und lädt dazu ein, genauer hinzuhören.» Dass dieser Ansatz Resonanz findet, zeigt nicht nur seine internationale Präsenz – von Bern über Buenos KLANGKUNST UND SPITZENSPORT, EXPERIMENT UND PRÄZISION: DIE BURGERGEMEINDE BURGDORF ZEICHNET MIT DEM KULTUR- UND DEM SPORTFÖRDERPREIS TOBIAS LANZ UND JUSTIN LENDERS AUS UND WÜRDIGT DAMIT ZWEI JUNGE PERSÖNLICHKEITEN, DIE MIT TALENT UND AUSDAUER IHREN EIGENEN WEG GEHEN. Foto: Werner Bosshard

Aires bis zu Festivals und Radios in ganz Europa. Auch in Burgdorf ist sein Schaffen verankert: Konzerte in der Stadtkirche, Engagement in der lokalen Szene, Impulse für neue Formate. «Der Preis ist für mich eine schöne Bestätigung und auch eine Verbindung zu meiner Herkunft», sagt Tobias Lanz. «Er gibt mir Sichtbarkeit und die Möglichkeit, mich ganz auf neue Projekte zu konzentrieren.» FÖRDERUNG SCHAFFT FREIRAUM Genau hier setzt die Förderung junger Talente der Burgergemeinde an: Sie schafft Freiräume. Sie ermöglicht es Kulturschaffenden, sich auf ihre Arbeit zu fokussieren, Risiken einzugehen und neue Wege zu erproben. Für Tobias Lanz bedeutet das konkret: Zeit und Ressourcen für neue Kompositionen, für ein kommendes Soloalbum und für weitere gemeinsame Projekte, etwa mit seinem Bruder. Ganz anders – aber ebenso konsequent – verläuft der Weg von Justin Lenders. Der 18-jährige Tennisspieler vom TC Burgdorf steht an der Schwelle zum Profisport. Was bei ihm früh mit dem Training auf den Plätzen in Burgdorf begann, hat sich über die Jahre zu einer beeindruckenden Entwicklung verdichtet. Heute gehört er dem Swiss Tennis Nationalkader an, hat internationale Juniorenerfolge gefeiert und sich mit einem ATP-Punkt erstmals in der Weltrangliste positioniert. Hinter diesen Resultaten steht vor allem eines: Arbeit. Tägliche Trainings, Wettkämpfe auf internationalem Niveau, dazu die schulische Ausbildung im Sportgymnasium Neufeld in Bern. Ein Spagat, der Disziplin verlangt. «Der Preis bedeutet mir sehr viel», sagt Justin Lenders. «Ich habe immer hier in Burgdorf trainiert. Dafür geehrt zu werden, ist etwas Besonderes.» EIN GROSSER SCHRITT ZUM PROFISPORT Der Schritt vom Junioren- zum Profitennis ist gross. «Das Niveau bei den Erwachsenen ist deutlich höher, und der Weg nach oben ist lang», sagt er nüchtern. Gerade deshalb ist Unterstützung entscheidend. Reisen, Turniere, Trainer – der Einstieg in den internationalen Tenniszirkus ist kostenintensiv. «Finanzielle Unterstützung hilft enorm. Aber auch die Anerkennung gibt zusätzlichen Antrieb.» Sein Ziel ist klar: der Sprung auf die grosse Bühne des Tennissports: Futures, Challengers, ATP – Schritt für Schritt. Und irgendwann vielleicht die Turniere, von denen er heute noch träumt. Dabei bleibt seine Verbindung zu Burgdorf spürbar. Hier hat alles begonnen, hier trainiert er weiterhin, hier findet er Unterstützung und Rückhalt. Die Burgergemeinde Burgdorf übernimmt dabei eine wichtige Rolle. Die Förderpreise sind nicht als Rückblick gedacht, sondern als Investition in die Zukunft, als gezielte Unterstützung in einer Phase, in der sich entscheidet, ob sich aus Talent eine erfolgreiche Karriere entwickelt. Die Förderung von Sport und Kultur hat in der Burgergemeinde eine lange Tradition. Sie versteht sich nicht als punktuelle Unterstützung, sondern als nachhaltiges Engagement für das gesellschaftliche Leben der Region. Indem sie junge Talente sichtbar macht, ihnen Vertrauen schenkt und konkrete Perspektiven eröffnet, stärkt sie nicht nur einzelne Karrieren, sondern auch das kulturelle und sportliche Profil von Burgdorf insgesamt. Es ist diese Haltung, die den Förderpreisen ihre eigentliche Bedeutung verleiht: Sie sind weniger Auszeichnung als vielmehr eine Einladung weiterzugehen, weiterzudenken und sich weiter zu entfalten. Foto: Breakpoint Images by Meierhans

Holz, das wärmt und Sinn stiftet BRENNHOLZ AUS DEM BURGERWALD Wenn die Burgergemeinde Burgdorf Holz schlägt, geschieht das mit Weitsicht. Rund 7‘000 Kubikmeter werden jährlich geerntet, abgestimmt auf das natürliche Wachstum des Waldes. «Wir bewegen uns innerhalb der nachhaltigen Nutzungsgrenze», erklärt Simon Rieben, Leiter des Forstbetriebs der Burgergemeinde. «Unser Ziel ist ein gesunder Wald, der auch für kommende Generationen funktioniert.» Der grösste Teil des Holzes geht an Sägereien oder wird als Energieholz, etwa in Form von Holzschnitzeln, genutzt. Ein kleiner Anteil jedoch nimmt einen anderen, ganz besonderen Weg. Es sind ausgesuchte Stämme, meist Buchen, die gerade gewachsen sind und einen Durchmesser zwischen 20 und 50 Zentimetern besitzen. Holz, das sich ideal zu Chemineeholz weiterverarbeiten lässt. Diese Stämme liefert der Forstbetrieb der Burgergemeinde ans SAZ Burgdorf. ANGEPASSTE ARBEITSPLÄTZE Das SAZ Burgdorf ist eine vom Kanton Bern mitfinanzierte Institution, getragen von einer Stiftung, die sich für Menschen mit Unterstützungsbedarf einsetzt. Hier arbeiten Menschen, die aufgrund einer Beeinträchtigung nicht ohne Weiteres im ersten Arbeitsmarkt tätig sein können. Sie finden im SAZ angepasste Arbeitsplätze, Begleitung und die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten einzubringen und weiterzuentwickeln. Der Bereich Brennholz ist dabei einer der sichtbarsten und auch beliebten Arbeitszweige. «Wir arbeiten eigentlich drei VOM BURGERWALD IN DIE GEMÜTLICHE STUBE: IN BURGDORF WIRD BRENNHOLZ NICHT NUR NACHHALTIG PRODUZIERT, SONDERN AUCH SOZIAL WERTVOLL VERARBEITET. DIE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN DER BURGERGEMEINDE UND DEM SAZ BURGDORF ZEIGT, WIE AUS REGIONALEM HOLZ SINNSTIFTENDE ARBEIT ENTSTEHT..

Jahre im Voraus», sagt Rolf Steiner, Bereichsleiter Liegenschaftsdienst und Brennholz beim SAZ. «Das Holz, das wir heute geliefert bekommen, wird erst in etwa drei Jahren verkauft.» Diese langfristige Perspektive ist notwendig, denn gutes Brennholz braucht Zeit. Im SAZ beginnt der Prozess mit dem sogenannten «Rüsten»: Die angelieferten Stämme werden in Meterstücke gesägt. Dabei kommen zunehmend AkkuKettensägen zum Einsatz. «Wir achten bewusst auf möglichst geringe Lärmbelastung und Emissionen», erklärt Rolf Steiner. «Und auch die Arbeitssicherheit ist ein weiterer wichtiger Punkt.» Es folgt das Spalten der Stammstücke. Hier erhält das Team vom SAZ jeweils Unterstützung von einem Landwirt aus der Region. Das anschliessende «Aufbigelen» zur Trocknung der Spalten ist eine körperlich anspruchsvolle Tätigkeit, die Kraft, Koordination und Ausdauer verlangt. Gleichzeitig ist sie ein zentrales Element der Arbeit im SAZ. «Das Schöne ist, dass man sofort sieht, was man gemacht hat», sagt Rolf Steiner. «Die Arbeitsleistung ist optisch ersichtlich. Das gibt Zufriedenheit.» Genau darin liegt ein wesentlicher Wert. In einer Welt, in der viele Tätigkeiten abstrakt und digital geworden sind, bietet das Arbeiten mit Holz etwas Ursprüngliches. Ein Stamm wird bearbeitet, gespalten, geschichtet. Schritt für Schritt entsteht ein fertiges Produkt. Für die Mitarbeitenden des SAZ bringt das nicht nur Struktur, sondern erfüllt sie auch mit Stolz. VOM STAMM ZUM HOLZSCHEIT Bis zu acht Personen arbeiten im Bereich Brennholz, je nach Bedarf und Auftragslage. Sie werden von einer Fachperson angeleitet und begleitet. Neben dem Sägen und Spalten gehört auch das sorgfältige Schichten und Lagern zum Arbeitsprozess. Denn danach beginnt die vielleicht wichtigste Phase: das Trocknen. Buchenholz lagert rund drei Jahre an der Luft, bevor es den optimalen Brennwert erreicht. Tannenholz benötigt etwa zwei Jahre. Während dieser Zeit verändert sich das Holz, verliert Feuchtigkeit, gewinnt an Qualität. Erst danach wird es weiterverarbeitet und auf 25 oder 33 Zentimeter Länge zugeschnitten, je nach Kundenwunsch. Auch Nebenprodukte entstehen: Aus Tannenholz werden mit einem Gertel kleine «Spitli» als feines Anfeuerholz gefertigt. Oder geeignete Stämme werden als Spaltstöcke konfektioniert. «Das alles ist eine sehr befriedigende Arbeit für unsere Leute», sagt Rolf Steiner. Was in der Abteilung Brennholz des SAZ entsteht, bleibt in der Region. Zwischen 220 und 500 Ster gelangen jährlich an die meist private Kundschaft. Rund zwei Drittel stammen aus Burgdorf, der Rest aus der näheren Umgebung. Viele bestellen regelmässig und über Jahre hinweg. Es entsteht eine Beziehung, die über das Produkt hinausgeht. «Wir haben viele wiederkehrende Kunden. Da spürt man eine grosse Wertschätzung – auf beiden Seiten», betont Rolf Steiner. Diese Wertschätzung zeige sich auch in vielen kleinen Gesten: Ein Trinkgeld, eine Tafel Schokolade, ein freundliches Gespräch bei der Lieferung. Das Holz wird oft direkt zum Kunden gebracht und auf Wunsch vor Ort aufgeschichtet. Auch besondere Orte werden beliefert, wie etwa letzten Winter der Saunawagen an der Emme, der regelmässig mit Holz versorgt wurde. Oder die Schreinerei Werthmüller mit den beliebten «Ämmesäckli», die beim Bräteln am Fluss zum Einsatz kommen. GELEBTE INKLUSION Für die Burgergemeinde ist die Zusammenarbeit mit dem SAZ weit mehr als ein praktisches Arrangement. «Es ist für uns ein Glücksfall», sagt Simon Rieben. «Wir wissen, wo unser Holz hingeht und dass es sinnvoll eingesetzt wird.» Gleichzeitig bleibe die Wertschöpfung in der Region. In einer Zeit, in der viele Prozesse globalisiert und anonymisiert sind, wirkt dieser kleine Kreislauf entschleunigt. Und gerade darin liegt seine Stärke. Der Weg vom Baum zum Brennholz ist nachvollziehbar, sinnstiftend und geprägt von Menschen, die mit Freude und Hingabe ihre Arbeit verrichten. So wird aus einem Baum im Burgerwald nicht einfach Brennholz, sondern ein Stück gelebte Inklusion. Ein regionaler Kreislauf, der ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte verbindet.

Modernisierung der Stadtbibliothek Die Stadtbibliothek ist heute weit mehr, als nur ein Ort der Ausleihe von Medien. Kulturelle Veranstaltungen, Begegnung und die Möglichkeit für flexibles Arbeiten spielen eine immer grössere Rolle und stellen veränderte Anforderungen an die Infrastruktur und den Betrieb. Die stetig wachsenden Besucherzahlen belegen, dass das Angebot der Stadtbibliothek den Bedürfnissen der heutigen Zeit entspricht. Der geplante Umbau schafft mehr Platz. Das ist jedoch längst nicht der einzige Aspekt der vorgesehenen Massnahmen. Es gibt zahlreiche weitere betriebliche, technische, ökologische und nicht zuletzt gestalterisch-atmosphärische Kriterien, denen der Umbau Rechnung trägt. So werden beispielsweise ein neues Beleuchtungskonzept, flächendeckende Schallschutzelemente, die Erneuerung der Bodenbeläge und die Modernisierung der Möblierung die Aufenthaltsqualität weiter aufwerten. Mit dem Abbruch der mächtigen Innentreppe und der Öffnung des historischen Treppenhauses für die Erschliessung der Stockwerke entsteht zusätzlicher Raum für Veranstaltungen und Begegnung. Und mit einer komplett neuen Schliess- und Zutrittsanlage wird ein gänzlich neues Angebot überhaupt erst möglich: Die Open Library. Mit dieser Dienstleistung werden registrierte Kundinnen und Kunden die Bibliothek auch ausserhalb der üblichen Öffnungszeiten während «unbedienter» Zeiten selbständig nutzen können. PROVISORIUM AB FRÜHLING 2027 Im Sommer 2027 soll die Neueröffnung stattfinden. Während des Umbaus ab Frühling 2027 wird der Betrieb provisorisch in die benachbarte Kunsthalle von Maxe Sommer («Söistu») verlegt. Eine kurze Schliessung von rund zwei Wochen zu Beginn der Bauarbeiten und kurz vor der Wiedereröffnung wird jedoch nicht zu vermeiden sein. DIE PLANUNGSARBEITEN ZUM UMBAU DER STADTBIBLIOTHEK SIND IN VOLLEM GANGE. IM FRÜHLING / SOMMER 2027 WERDEN DIE ZAHLREICHEN MASSNAHMEN ZUR MODERNISIERUNG DER VOR ÜBER 30 JAHREN LETZTMALS SANIERTEN BIBLIOTHEK UMGESETZT. WÄHREND DIESER UMBAUPHASE WIRD DER BETRIEB PROVISORISCH IN DEN BENACHBARTEN «SÖISTU» VERLEGT.

Bei der Deutung von Familiennamen unterscheidet man folgende Typen: 1. Rufnamen: Benennung nach Vater-, seltener Mutternamen, z.B. Friedrich, Annen 2. Herkunftsnamen: Zugezogene nach ihrer Herkunft, z. B. von Siebenthal, Basler 3. Wohnstättennamen: Einheimische nach ihrem Wohnort, z. B. Imhof, Wegmann 4. Berufsnamen: nach Tätigkeit, Amt, gesellschaftlicher Stellung, z. B. Bauer, Müller, Vogt 5. (Berufs-)Übernamen: nach körperlicher, charakterlicher, biographischer Eigenheit oder beruflicher Tätigkeit, z. B. Schön, Hässig oder Hammer. Man kann Familiennamen in der Regel deuten und sie dem zugrunde liegenden Ruf- oder Ortsnamen (Typen 1 bis 3) oder Gattungswort (Typen 4 und 5) zuordnen. Verliehen worden ist der Name dem ersten Träger aufgrund eines besonderen Merkmals. Eichenberger Auf -er gebildeter Herkunfts- oder Wohnstättenname zu einem Flurnamen Eich(en)berg: Eichenberger ist entweder als «von E. zugezogen» oder als «auf E. ansässig» aufzulösen. Ursprünglich stammt die Burgdorfer Familie aus Beinwil a/See, wo der Name noch heute heimisch und schon 1359 als ,[von] Eichiberg` nachgewiesen ist. Das Beinwiler Geschlecht ist wohl mit dem heutigen Eichberg («die mit Eichen bestandene Anhöhe») ob Seengen zu verbinden. Eichberg könnte einst auch ,Eichen-, Eichiberg` gelautet haben, oder im Familiennamen ist in der Fuge zwischen den beiden Wörtern -en- ergänzt worden. Surbeck Alt nur im Kanton SH bezeugt, etwa in Oberhallau, von wo unsere Surbeck herstammen. Mit sd. sūr «wie nhd. sauer» und sd. Beck m. «Bäcker» gebildet, meint sd. Sūrbeck, mhd. sūrbecke m. «Sauerbrotbäcker». Der Berufsname spiegelt zusammen mit Namen wie Süessbeck für den Zuckerbäcker, Brodbeck für den Bäcker, der nur Brot, keine feinere Bäckerware liefert, oder die einfach «Bäcker» bedeutenden Beck und Pfister die feine Differenzierung des alten, streng beaufsichtigten Bäckerwesens. Surbeck : Süessbeck kann auch auf den für das Brot je anders angesetzten Teig anspielen, auf den Sauerteig im Gegensatz zum Hefeteig. Reichenbach Orts- und Flurnamen können ohne -er-Endung zu Familiennamen vom Typus 2 oder 3 werden (vgl. etwa Hof neben Hofer), so auch Reichenbach. Die Reichenbach (einst aus Gsteig) verdanken ihren Namen einem identischen Hofnamen, dieser zu einem anliegenden Bachnamen. Reichenbach, gesprochen Richebach, enthält das Adjektiv mhd. rīch(e) «mächtig, gewaltig, reich» – ein Hinweis auf Wasser- oder Fischreichtum – oder einen ahd. Personennamen Rīcho - der Bach dann als Eigentum ausgewiesen. Langes -ī- ist in der Aussprache als -ī- bzw. gekürztes -i- erhalten, in der Schreibweise ist es zu -ei- geworden (wie Līb zu Leib). Schafroth Das Wappen mit dem Schaf auf rotem Grund ist eine Laieninterpretation, der Name hat weder mit einem Schaf noch mit der Farbe Rot zu tun. Schafroth ist ein sog. Satzname (ein Satz wird zum Namen; vgl. Sūfūs ,trink aus` für einen Trunkenbold), in dem ,[ich] schaffe Rat` steckt, und steht – sd. Rāt, mhd. rāt m. bedeutet neben «Ratschlag» auch «Fürsorge; Hilfe; Vorrat» – als Übername (Typus 5) für einen, der gern mit Rat dient oder um solchen gebeten wird. Der Name ist in Deutschland (Schafrath, Schaffenroth uä.) ebenfalls bekannt. Altes -ā- ist zu -ō- „verdumpft“, was wir in der Mundart z. B. auch in jō für jā kennen. Abkürzungen: sd. = schweizerdeutsch / germ. = germanisch / mhd. = mittelhochdeutsch / ahd. = althochdeutsch / frühnhd. = frühneuhochdeutsch / lat. = lateinisch / Bed. = Bedeutung / m.-f.-n. = maskulin - feminin - neutral / * = erschlossene, so nicht belegte Form Serie: Burgerliche Namen MIT EINER FORTLAUFENDEN SERIE ERLÄUTERN WIR DIE BEDEUTUNG DER NAMEN VON BURGERN IN DER CHRONO- LOGISCHEN REIHENFOLGE IHRER AUFNAHME IN DIE BURGERGEMEINDE. IN DIESER AUSGABE WERDEN DIE NAMEN SCHÜTZ (1865), HOWALD (1865), NIEDERHAUSER(1865) UND SCHWAMMBERGER (1865) GEDEUTET.

Informationen HERAUSGEBER Burgergemeinde Burgdorf Kirchbühl 25, 3400 Burgdorf Tel. 034 422 31 19 info@bgburgdorf.ch www.burgergemeinde-burgdorf.ch KONZEPT DESIGN TEXT YOUHEY Communication, Burgdorf DEUTUNG FAMILIENNAMEN Dr. Andreas Burri BILDER Adrian Gebhard, zvg DRUCK Haller+Jenzer AG, Burgdorf AUFLAGE 11’000 Ex. Das Burger Journal erscheint zweimal jährlich DIENSTJUBILÄUM SIMON RIEBEN Am 1. April vor genau 20 Jahren trat Simon Rieben in den Dienst der Burgergemeinde Burgdorf ein. Der 50-jährige Familienvater ist durch und durch mit der Natur und besonders mit dem Wald verbunden. Seit 2006 amtet er als Revierförster sowie Leiter Forstbetrieb und ist seit 2021 Verantwortlicher für den gesamten Bereich Wald der Burgergemeinde Burgdorf. Seit jeher engagiert sich Simon Rieben mit Herzblut für den Wald als lebendiges und fragiles ökologisches System, als intaktes Naherholungsgebiet und gleichzeitig als Rohstoffressource, die es nachhaltig zu bewirtschaften gilt. Auf Rundgängen und mit Referaten versucht er den Menschen einen vertieften Einblick in die zeitgemässe Bewirtschaftung der Wälder zu geben. Simon Rieben macht sich zudem in verschiedenen Organisationen der Waldwirtschaft stark für die Zukunft der forstlichen Bildung im Kanton Bern und für eine erfolgreiche Vermarktung von einheimischem Holz. Der Burgerrat gratuliert Simon Rieben zum Jubiläum und dankt ihm herzlich für sein aussergewöhnliches und professionelles Engagement für den Burgerwald. FRÜHLING IM SOMMERHAUS Am Stadtrand, wo Burgdorf sanft in die Landschaft übergeht, spürt man den Frühling und die erwachte Natur besonders gut. Im Landgasthof Sommerhaus lockt nicht nur die grosszügige, von der Frühlingssonne verwöhnte Terrasse, sondern auch die kulinarische Finesse. Passend zur Saison bietet das Sommerhaus eine sorgfältig zusammengestellte Frühlingskarte. Frische Zutaten, leichte Gerichte und vertraute Klassiker laden zur genussvollen Mittagspause oder zu einem entspannten Abendessen ein. Ob Sie sich kulinarisch verwöhnen lassen, in charmanter historischer Umgebung verweilen oder unvergessliche Feste feiern möchten – das Sommerhaus ist der perfekte Ort dafür. Und nicht vergessen: Am 10. Mai ist Muttertag. Auch dieses Jahr lädt das Sommerhaus zum traditionellen Muttertags-Brunch ein und bietet eine spezielle Feiertagskarte an.

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