Burger Journal 15 - April 2026

«Diese breit in den Medien geführte Diskussion färbte auch auf die Burgdorfer Burgergemeinde ab und prägte die öffentliche Wahrnehmung unserer Institution», ergänzt Heinz Fankhauser. Dem wollte man resolut entgegenwirken, indem man Transparenz schuf und vermehrt neue, junge Burgerinnen und Burger aufnahm. Zudem begann man offener darüber zu kommunizieren, was die Burgergemeinde konkret macht, welche Aufgaben sie erfüllt und welchen Nutzen die Allgemeinheit davon hat. Allerdings war das öffentliche Engagement der Burgergemeinde vor 50 Jahren nicht mit heutigen Verhältnissen vergleichbar. Aufgrund der massiv fallenden Holzpreise schwanden die traditionellen Einkünfte aus der Waldbewirtschaftung drastisch. So verfügte die Burgergemeinde nur über wenige finanzielle Mittel, um grössere Projekte zu unterstützen oder gar zu ermöglichen, wie das heutzutage der Fall ist. In den 1980er Jahren warf der Wald keine Erträge ab, sondern erforderte im Gegenteil bedeutende Investitionen. SAURER REGEN UND DROHENDES WALDSTERBEN Zu Beginn der 1980er Jahre machte die bereits allenthalben sichtbare Schwächung der Wälder und das befürchtete Waldsterben den Wald zum Symbol für den Umweltschutz. Als grosse Waldbesitzerin sah sich die Burgergemeinde natürlich in der Pflicht, den Wald zu pflegen und mit geeigneten Massnahmen zu bewahren, wie dies schon seit Jahrhunderten der Fall ist. Die breite Diskussion um das Waldsterben und den nachweislichen Zusammenhang mit der Luftverschmutzung führte immerhin zur Einführung strengerer Luftreinhaltemassnahmen wie etwa dem Katalysator für Verbrennungsmotoren in Autos und Abgasfilteranlagen in Industriebetrieben. Das flächendeckende Waldsterben trat glücklicherweise nicht ein. Dennoch hat sich der Stellenwert des Waldes drastisch verändert. Er übernahm mehr und mehr eine gesellschaftliche Rolle als intakter, naturnaher Freizeit- und Naherholungsraum. Dazugekommen sind in Zeiten des Klimawandels seine Bedeutung als Klimaschützer, indem er CO2 bindet, aber auch als Opfer von klimabedingten längeren Phasen der Trockenheit und Hitze. Die wirtschaftliche Nutzung trat indes immer mehr in den Hintergrund, auch weil die Importe von Billigholz aus Osteuropa und Skandinavien den Schweizer Holzmarkt zusehends dominierten. «Derzeit zeichnet sich wirtschaftlich eine gewisse Stabilisierung der Waldbewirtschaftung ab», sagt Burgerratspräsident Beat Maurer. «Der Wald ist nicht mehr defizitär, sondern knapp kostendeckend, weil lokaler Holzbau und sonstige Sparten die Nachfrage nach unserem nachhaltigen Holz wieder etwas ansteigen liessen.» Aber die finanziellen Mittel, um etwa einen Casino-Umbau mitfinanzieren oder eine überregional bedeutende Bibliothek betreiben zu können, kommen längst nicht mehr aus den Wäldern rund um Burgdorf, sondern aus den langfristig gewährten Baurechten. BAURECHTE ALS DOPPELTES ERFOLGSMODELL Einen wesentlichen Teil ihres Grundeigentums in der Bauzone vergibt die Burgergemeinde im Baurecht. Sie ermöglicht so Bauherren den Bau von Wohn- und Geschäftsbauten auf ihrem Boden und erhält dafür im Gegenzug einen moderaten Baurechtszins. Aufgrund der in den letzten Jahren explodierenden Bodenpreise ist dies für viele potenzielle Bauherren oft die einzige Möglichkeit, sich ein Eigenheim finanzieren zu können. «Für die Burgergemeinde sind die Baurechte heute die wichtigste Einnahmequelle. Gleichzeitig bleibt sie Grundeigentümerin und kann so weiterhin zur nachhaltigen Stadtentwicklung jenseits von spekulativem Wohnungsbau beitragen», erklärt Beat Maurer. Und dies trifft letztlich den Kern des Selbstverständnisses – die DNA – der Burgergemeinde Burgdorf: Mit den ihr übertragenen Gütern und den daraus erwirtschafteten Erträgen eine langfristig positive Entwicklung zugunsten der AllgemeinIm Gespräch: Heinz Fankhauser und Beat Maurer

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